Hoffnung auf Frieden in Korea: „nur friedlich, humanitär und ohne Einmischung von außen“

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Von Heidi Förster, Fachstelle Öffentlichkeitsarbeit
im Evangelischen Dekanat Groß-Gerau / Rüsselsheim

Foto: Bernd Petri

Ist die Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea möglich? „Kleiner Raketenmann“ – so hatte der US-Präsident Donald Trump den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un noch im November vergangenen Jahres genannt. Am 12. Juni sollen sie nun erstmals persönlich aufeinandertreffen. Wird dies den ersehnten Friedensprozesses auf der koreanischen Halbinsel beschleunigen? Die Lage in Korea Anfang Mai war Thema einer Podiumsdiskussion der Evangelischen Akademie Frankfurt.

Am 12. Juni ist es soweit: Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un und der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump sollen in Singapur aufeinandertreffen. Ein historisches Ereignis, denn es ist das erste Gipfeltreffen eines amtierenden US-Präsidenten mit der Führung Nordkoreas. Erst am 27. April hatten sich Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in im Grenzdorf Panmunjom getroffen. Dort vereinbarten sie, dass noch in diesem Jahr ein Friedensvertrag geschlossen wird, der das Waffenstillstandsabkommen von 1953 ersetzen soll.

Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea thematisierte kürzlich eine Podiumsdiskussion der Evangelischen Akademie Frankfurt. Zur Diskussion hatten das evangelische Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim,  Wolfgang Prawitz, der Vorsitzende der Korea-Partnerschaft in der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN) sowie Dr. Thorsten Latzel, Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt, eingeladen. Die Gäste: Hans-Joachim Schmidt von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Pfarrer Shin Seung Min vom National Council of Churches in Korea, Nataly Jung-Hwa Han vom Korea-Verband, der Politikwissenschaftler Dr. Rainer Werning sowie Peter Sturm, Politikredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Zeichen der Hoffnung

Als ein „kleines Hoffnungszeichen“ bezeichnete Prawitz, der Vorsitzende der Korea-Partnerschaft in der EKHN, die derzeitigen Entwicklungen zwischen Nord- und Südkorea. Beide Staaten hatten nach dem Treffen der Staatsoberhäupter Ende April angekündigt, die Lautsprecher-Propaganda an der Grenze zum 1. Mai einzustellen. Prawitz selbst ist Pfarrer und hat Südkorea mehrfach besucht. Bereits seit 1980 besteht eine Partnerschaft zwischen der Propstei Rhein-Main und der Propstei GwangJu der Presbyterianischen Kirche in Südkorea.

„Die Grenze macht uns krank“

Nataly Jung-Hwa Han, Leiterin des Korea Kommunikations- und Forschungszentrums im Korea-Verband, bezeichnete die Grenze zwischen Nord- und Südkorea als „einfach unmenschlich“; sie mache die Menschen „krank“. Jung-Hwa Han betonte: „Dieses Bewusstsein, dass sie zu Unrecht geteilt wurden, verbindet die Menschen in Nord- und Südkorea. Das gibt uns die Kraft, dass wir die Wiedervereinigung vorantreiben“.

Zehn Jahre für den Friedensprozess?

Der südkoreanische Pfarrer Shin Seung Min erklärte, die Versöhnung von Nord- und Südkorea brauche viel Zeit: „Im Moment ist es uns wichtig, dass endlich der Krieg beendet wird. Was erreicht werden könnte, wäre ein Nichtangriffspakt, der von den Amerikanern unterzeichnet und von anderen beteiligten Staaten mit bestätigt wird.“ Von Wiedervereinigung könne derzeit jedoch noch keine Rede sein, erklärte Shin Seung Min. Das sieht Jung-Hwa Han ähnlich: „Ich habe auch das Gefühl, wir müssen uns nicht sofort wiedervereinigen. Nordkorea hat einen Markt zugelassen, und Südkorea hat es auch geschafft, von der extremen Diktatur hin zu Demokratisierungen.“ Auch sie habe eine echte Hoffnung auf Frieden, obwohl in der Geschichte Koreas viel Blut vergossen worden sei. „Fünf Millionen Menschen sind durch den Korea-Krieg ums Leben gekommen“, erklärte Shin Seung Min, „und wir haben die Folgen dieses Sterbens, die Traumata, die damit verbunden sind, noch gar nicht richtig verarbeiten können.“ Das Resultat dieses Krieges sei wechselseitiger Hass, der seit 73 Jahren andauere. „Wir brauchen unglaublich viel Zeit, um uns kennen zu lernen, um uns verstehen zu lernen und auch um ein Mindestmaß an Respekt zu entwickeln“, so der Pfarrer. Er gebe diesem Friedensprozess noch mindestens zehn Jahre.

Sturm: Denuklearisierung bis 2020 ausgeschlossen

Skeptischer äußerte sich Peter Sturm, Politikredakteur der F.A.Z: „In völliger Übereinstimmung gilt die Einschätzung, das Atomwaffenprogramm sei die Lebensversicherung der nordkoreanischen Führung.“ Um dieses aufzugeben, müsse man Nordkorea „eine Versicherungspolice bieten, die sich gewaschen hat.“ Sowohl auf nord- als auch auf südkoreanischer Seite sei noch zu vieles unbekannt. „Deswegen ist die Hoffnung, bis Ende 2020 eine Denuklearisierung zustande zu bringen, völlig ausgeschlossen“, erklärte der Journalist.

Grundprinzipien einer friedlichen Wiedervereinigung

Unter welchen Voraussetzungen ein Friedensprozess oder gar eine Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel möglich wäre, hat die Koreanische Kirche bereits 1988 in einer Denkschrift veröffentlicht. Shin Seung Min erläuterte: „Wir haben fünf wichtige Grundprinzipien einer friedlichen Wiedervereinigung definiert. Erstens: Wiedervereinigung kann nur friedlich geschehen; mit Waffen lässt sich gar nichts erreichen. Zweitens: Die unabhängige Wiedervereinigung durch die Koreaner selbst ohne Einmischung von außen. Drittens: Der große Zusammenhalt aller Koreaner über alle Unterschiede hinweg. Viertens: die Beteiligung der Zivilgesellschaft, der Bürgerinnen und Bürger und fünftens: das humanitäre Prinzip.“

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