Meeting the Mayor – oder: Wie Partnerschaft den Einsatz für Gerechtigkeit stärkt

 

Seit gut eineinhalb Stunden macht der Überlandbus der Linie 61 seine Kilometer von der Megametropole Seoul mit ihren 22 Millionen Einwohnern in der Großregion – immerhin bald die Hälfte der Gesamteinwohnerzahl Südkoreas – stramm in Richtung Süden. Vorbei an gut gewässerten Reisfeldern, üppig grün bewaldeten Hügeln und brach liegenden Meeresküsten, aber auch an Industriearealen und monumentalen Brückenbauwerken in Küstennähe. Weitere 90 Minuten und eine planmäßige, auf dem Bordbildschirm angekündigte Pause später, werden wir in Gwangju eintreffen – und einige von uns dort auf alte, der Rest auf neue Freunde treffen.

Unsere drei Geschwister von der Presbyterian Church of Ghana (PCG) haben wir bereits am Flughafen Seoul Incheon getroffen und einen ersten gemeinsamen, typisch koreanischen Lunch eingenommen. So sind wir nun zu zehnt mit unserem Begleiter von der Presbyterian Church in the Republic of Korea (PROK), …, überland unterwegs in Richtung Teil III des ökumenischen Partnerschaftstrialogs zum Thema „Migration und Flucht“. Schwerpunkt „Familien und Frauen mit Migrationshintergrund“, wie es in etwas schwerfälligem Deutsch heißt; oder „women and families in migration“ in einer Sprache, die sich mit dem Gendern weniger schwertut.

In jedem Fall ein Thema, zu dem alle drei teilhabenden Kirchen ihren Teil beitragen können, natürlich theologisch, aber auch gesellschaftlich-praktisch und jeweils aus ihrer Perspektive. Heirats- und Arbeitsmigration sollen zwei Schwerpunkte sein, die in den kommenden Tagen in Gespräch und Gottesdienst vertieft werden.

Der erste Abend steht aber im Zeichen des Willkommens, und zu diesem hat sich Gwangjus Bürgermeister Yoon Jang Hyun angekündigt: eine große Ehre, wird schnell klar, angesichts der Tatsache, dass die Großstadt immerhin auch 1,5 Millionen Einwohner zählt. Mayor Yoon macht klar, wie wichtig ihm die Anliegen der Kirche und die Impulse aus den internationalen ökumenischen Beziehungen der PROK insbesondere nach Deutschland zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für die Stadt sind: ein „leidenschaftliches Miteinander“ als Mutmacher, sich selbst für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. So habe die Stadtverwaltung unter seiner Ägide ein Human Rights Department eingerichtet, dass sich auch um die Belange von Flüchtlingen kümmert. Ferner unterhalte die Stadt medizinische Einrichtungen etwa in Nepal, in Kambodscha und auch in Südkorea.

„Partnerschaft bereichert uns alle“, hatte schon zuvor der Asienbeauftragte des Zentrums Ökumene der hessischen Kirchen, Pfarrer Johny Thonipara, und Reverend Salomon Sule-Saa aus Ghana, für die Gastfreundschaft der koreanischen Freundinnen und Freunde gedankt und die Bedeutung dieses ersten Trialogs von Kirchenvertretern aus Afrika, Asien und Europa hervorgehoben: Reverend Sule-Saa machte deutlich, dass dort, wo Hoffnung auf Veränderung ist, auch immer der Segen Gottes sein werde, auf allen Völkern, Rassen und Geschlechtern. Das schönste Geschenk des Christentums sei es, „dass wir in der christlichen Familie überall auf der Welt Brüder und Schwestern haben“.

Johny Thonipara erinnerte an die Demokratisierungsbewegung unter der südkoreanischen Militärdiktatur, die nach dem Gewaltexzess gegen friedliche Protestierende hier im Jahr 1980 ihren Ausgangspunkt hatte und letztlich die Kontakte der beiden befreundeten Kirchen den heutigen Kontakt auf Augenhöhe erst möglich gemacht hätten.

Noch heute wissen übrigens viele Einwohner Gwangjus, dass es ein deutscher Journalist, nämlich Jürgen Hinzpeter, war, der als einziger Journalist das Massaker von Gwangju filmisch dokumentieren und so ans Licht der internationalen Öffentlichkeit bringen konnte. Der südkoreanische Kinofilm „Taxi Driver“ über die Zeit und die Hintergründe erinnert eindrücklich daran.

 

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