„Kirche geht den Weg der Ärmsten und Schwächsten“

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Held der jüngeren südkoreanischen Geschichte, Arbeiterseelsorger, politischer Querdenker oder einfach „meine Art, Pastor zu sein“: PROK-Pfarrer Lee Cheol-Woo.
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Nicht nur mit Offiziellen zu sprechen, sondern auch mit Betroffenen, Klientinnen und Klienten – in allen Einrichtungen wie hier im Migrant Workers Center war die Bereitschaft dazu groß.

Ein Urgestein der kirchlichen Minjung-Bewegung ist Pastor Lee Cheol-woo. Zusammen mit seiner kleinen Gemeinde mit etwa 70 Mitgliedern betreibt er ein Migrant Workers Center, in dem wohnungslose Arbeitsmigranten – Männer und Frauen – nicht nur Obdach finden, sondern auch Rechtsberatung, Coaching, Bildungs- und Glaubensangebote.

Es sind die so genannten 3D-Jobs, denen die meist jungen Männer und Frauen aus den Philippinen, aus Kamboscha oder Sri Lanka nachgehen: Difficult, dangerous or dirty – schwer, gefährlich oder schmutzig. Arbeiten, die niemand gern macht, die aber für viele Arbeitsmigranten eine Chance zum Überleben sind.
Lees Engagement für die Rechte von Arbeiter*innen kommt aus seiner tiefsten Überzeugung, dass es die vordringliche Aufgabe der Kirchen ist, „den Weg der Ärmsten und Schwächsten in der Gesellschaft mitzugehen“. Gerade aus der Demokratisierungsbewegung der 70er- und 80er-Jahre heraus ist die protestantische Kirche hier bewusst politisch und setzt sich mit lauten und leisen Tönen kompromisslos als „peoples‘ church“ für soziale Gerechtigkeit ein. Das kirchliche Engagement vor allem der PROK war schon damals eng mit der Gründung starker Gewerkschaften verknüpft.

Lee selbst, der im kommenden Monat in den Ruhestand gehen wird, war selbst zwei Mal von der Militärdiktatur verhaftet und inhaftiert worden. Nach einem Jahr Auszeit vom Pfarramt als Arbeiter in einer Fabrik hatte sich der Seelsorger entschieden: Er würde als Geistlicher arbeiten und dennoch das Leben von Arbeiter*innen teilen. „Das ist eben meine Art“, sagt er schmunzelnd. Ein Mann, der seinen Prinzipien treu geblieben ist, dass alles Gute von ganz unten, von der Basis kommt. Eine Haltung, die sich auch mit dem Ruehstand nicht ändern wird: Mit Beginn seines Ruhestands wird er sich in einem Komitee zur Erinnerung an die Ereignisse des 18. Mai 1980 engagieren – dem Tag, an dem die südkoreanische Militärdiktatur die friedliche Demokratiebewegung im Lande und vor allem in Gwangjung brutal niederknüppeln ließ und damit den Anfang ihres Endes einläutete.

Zum Weiterlesen:
Gwangju Migrant Workers Center: For 20 years, a home away from the homeland
http://english.hani.co.kr/arti/english_edition/e_international/727733.html

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