„Nach dem Treffen werde ich mit dem Zug von Gwangju nach Berlin reisen!“

Von Pfarrer Wolfgang Prawitz, Vorsitzender des des Ausschusses für die Partnerschaft zwischen Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea (PROK), Gwangju und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) /

web_treffen_ncck_chairman
Ra Heak Jib im Gespräch mit Wolfgang Prawitz (li.) und Pfarrer Dr. Sungkook Park (re.) (Geschäftsführer der PROK für Partnerschaften und Ökumenische Beziehungen)

„Nach dem Treffen werde ich mit dem Zug von GwangJu nach Berlin reisen!“
Das sagte Prof. Dr. Heung Soon Park vom Zentrum für Multikulturelle Friedenspädagogik an der Theologischen Universität Honam in GwangJu auf meine Frage, was er sich von dem Treffen zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem Präsidenten der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK, Nord-Korea) Kim Jong-Un am 12.06.2018 verspreche. Ganz so optimistisch äußern sich andere Kirchenvertreter in Süd-Korea in den Tagen vor dem Gipfeltreffen nicht, aber die Hoffnung, dass es einen wichtigen Schritt zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel darstellt, ist überall spürbar. „Wir kommen nun in die historische Gelegenheit, den lange anhaltenden extremen Antagonismus zwischen Süd und Nord aufzulösen. Der Frieden war nie so nah wie zu dieser Zeit. Wir fühlen uns, als könnten wir ihn bereits berühren und riechen.“ So beschrieb der protestantische Pfarrer Junn Kang die Stimmung in Süd-Korea nach der Begegnung der koreanischen Präsidenten Kim Jong-Un (Nord-Korea) und Moon Jae-In am 27. April in Panmunjom, dem Ort auf der Grenze zwischen Nord und Süd, an dem 1953 der Waffenstillstandsvertrag nach dem Korea-Krieg unterzeichnet wurde. Bis heute ist der Krieg zwischen den beiden Koreas nicht durch einen Friedensvertrag beendet worden.

„Der Korea-Krieg von 1950 bis 1953 war der erste ‚heiße‘ Krieg im kalten Krieg – und er war nicht ein Krieg zwischen den Koreanern, sondern er war ein Stellvertreterkrieg zwischen den Großmächten. Korea war das Schlachtfeld für die Auseinandersetzungen zwischen Russland und China auf der einen und den USA auf der anderen Seite. Deshalb fühlen sich eigentlich alle Koreaner als Opfer. Denn nach dem 36 Jahre dauernden Kolonialregime Japans war der Krieg auch nach der Niederlage Japans für Korea nicht beendet. Über vier Millionen Menschen verloren ihr Leben.“ So beschreibt Pfarrer Ra Heak Jib, langjähriger Vorsitzender des Komitees für Versöhnung und Wiedervereinigung des Nationalen Kirchenrats Korea (National Church Council Korea – NCCK), die Ausgangslage. Jib ist Pfarrer der Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea (PROK), der Kirche in Süd-Korea, zu der die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts eine enge Kirchenpartnerschaft unterhält.

web_bilder_korea_05_04
Pfarrer Wolfgang Prawitz an der Gedenkstätte für die Ermordeten des 18 Mai 1980 in GwangJu

Ausgangspunkt für diese Partnerschaft war der Aufstand für Demokratie und gegen die Militärdiktatur in der südkoreanischen Stadt GwangJu (1,4 Mio. Einwohner), von der aus die Demokratiebewegung auf ganz Südkorea ausgriff. Die PROK war als zivilgesellschaftlicher Akteur von Anfang im Kampf für Demokratie und Menschenrechte engagiert. Bis heute gibt es zahlreiche kirchliche Friedensinitiativen, die auch an die Erfahrungen in Deutschland anknüpfen. So sagte uns der Bürgermeister von GwangJu, Yoon Jang Hyun, wie wichtig für ihn die kirchlichen Kontakte auch nach Deutschland waren, die es ihm ermöglicht haben, in seiner Stadtverwaltung eine eigene Abteilung zur Förderung der Menschenrechte zu etablieren. Und die Kerzendemonstrationen in Südkorea knüpfen direkt an den Montagsdemonstrationen in Leipzig zu Zeiten der DDR an.

„Bis zur Wiedervereinigung werden wir montags Kerzendemonstrationen durchführen. Wir haben die Kraft von Kerzendemonstrationen erfahren“, sagt Pfarrer Jib. „Die PROK hat sich immer für Frieden eingesetzt, wenn nötig auch gegen südkoreanische Regierungen, und wir haben dabei gelernt, dass es im Hintergrund vom Engagement für Frieden und Wiedervereinigung immer auch um Menschenrechte und Demokratie geht.“ Und er zeigt sich dankbar für die Begegnungen zwischen Christen aus Nord- und Süd-Korea, die durch Einladungen deutscher kirchlicher Akademien seit 1981 immer wieder ermöglicht wurden.

1988 haben die koreanischen Kirchen eine Friedensdeklaration veröffentlicht, die fünf Prinzipien für den Weg zum Frieden beschreibt. Die Erklärung von Panmunjom vom April folge dieser Deklaration, die auch in der Politik des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-In eine wichtige Rolle spiele, der engen Kontakt mit den Protestanten in Süd-Korea hat. Die Kampagne für einen Friedensvertrag (Peace Treaty Campaign) der koreanischen Kirchen gemeinsam mit internationalen Partnerkirchen sei das erste Mal in einer Rede eines südkoreanischen Präsidenten bei Moons Aufenthalt in Berlin vor einem Jahr erwähnt worden. „Das ist ein Erfolg unserer beharrlichen Friedensarbeit,“ so Jib, „und wir bringen unser Engagement für Frieden und Wiedervereinigung immer wieder auch in den nationalen Kirchenrat und die Gespräche mit dem Weltkirchenrat ein. Denn es geht nicht nur um den Frieden in Korea – Korea soll eine globale Friedenszone werden. Deshalb rufen wir alle Kirchen weltweit auf, sich an gemeinsamen Gebeten zu beteiligen. Wo unsere Gebete sind, da ist unser Herz, und noch wichtiger: Da geschieht Gottes Wille. “

web_korean_press
Koreanische Zeitungen vom 12. Juni 2018

Zu der Vollversammlung 2013 des Weltkirchenrats in der südkoreanischen Hafenstadt Busan war übrigens ein Friedenszug (Peace Train) von Berlin aus gestartet. Leider konnte er damals noch nicht durch Nord-Korea fahren, so dass die mitfahrenden Friedensaktivisten die letzten Kilometer mit dem Schiff zurücklegen mussten. Ein erster Schritt zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel ist mit dem Treffen von Kim und Trump gemacht. Und wenn auch noch viele schwierige Wege beschritten werden müssen, um die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu machen und einen dauerhaften, stabilen Frieden zu erreichen, vielleicht wird Heung Soon Parks Wunsch dann doch wahr: mit dem Zug von GwangJu nach Berlin.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s